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Sonntag 22. Mai, 18 Uhr  in der Martinskirche Wildberg

Öffentliche Generalprobe: 21. Mai, 17 Uhr

Chöre und Orchester setzen Kooperation fort

Altensteig/Calw-Stammheim/Wildberg – Gemeinsam haben in den vergangenen zehn Jahren das Jugendsinfonieorchester Altensteig und die Chöre des Maria-von-Linden-Gymnasiums Stammheim bedeutende Werke von zeitgenössischen Komponisten einstudiert und aufgeführt. Nun ist es wieder soweit. In der Martinskirche Wildberg wird am Sonntag, 22. Mai, die Messe „The Armed Man: A Mass for Peace“ gespielt und gesungen. Das Stück ist mit rund 2700 Aufführungen das weltweit am häufigsten gespielte klassische Werk eines lebenden Komponisten. Die Komposition des Walisers Karl Jenkins war ursprünglich zur Jahrtausendwende den Opfern des Kosovo-Krieges gewidmet. Nun erlangt es durch den Ukraine-Krieg aktuelle Bedeutung.

Gastspiel in Lothringen
Es wirken mit das Jugendsinfonieorchester Altensteig (gemeinsames Orchester der Musikschule und des Christophorus-Gymnasiums Altensteig unter der Leitung von Jutta Hay und Wolfgang Mücke) sowie vom Maria-von-Linden-Gymnasium der Mittel- und Oberstufenchor, Projektchor, Ehemaligenchor unter der Leitung von Stefanie Strobel. Fürs Einstudieren der Männerstimmen im Mittel- und Oberstufenchor zeichnet Michael Hochsprung verantwortlich.

Nach dem Auftritt in Wildberg reist das große Ensemble zu einem Gastspiel in die Kathedrale des lothringischen Toul.

Eingängig und anspruchsvoll
Die Melodien des Karl Jenkins sind eingängig und dennoch anspruchsvoll. Es lohnt, sich mit den Texten zu befassen, um den Sinn zu verstehen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten erklärte die musikalische Leiterin und Dirigentin Stefanie Strobel den Inhalt und die Bedeutung der Aufführung. Neben Teilen der Messe hört man Passagen aus anderen religiösen und historischen Quellen wie dem islamischen Gebetsruf oder Psalmen aus der Bibel. Ein Text des Töge Sankichi, der an den Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima starb, zeigen die andere, die „weltliche“ Seite des Stückes.

Trommeln lassen Unheil ahnen
Das Werk umfasst 13 Teile. In „L’homme armé“ lassen Text und Melodie erahnen, „dass der bewaffnete Mann gefürchtet werden muss“. Auch im 21. Jahrhundert und besonders aktuell eine bittere Wahrheit. Es folgt der in arabischer Sprache gesungene muslimische „Gebetsaufruf“, mit dem Jenkins vor dem Hintergrund des Kosovo-Krieges darauf hinwies, dass sich alle Religionen gemeinsam für den Frieden einsetzen müssen. Der Aufruf zum Gebet mündet direkt in das „Kyrie“, auf das ein geheimnisvolles „Sanctus“ folgt, in dem man in den archaischen, hypnotisierenden Trommelrhythmen das drohende Unheil erahnen kann. Im sechsten Teil „Hymn before Action“ („Hymne vor dem Kampf“) steigert sich die Bedrohung, so dass am Ende nur die verzweifelte Bitte bleibt, dass Gott die Kraft zum Sterben geben soll.

Im Abschnitt „Charge!“ ist der Krieg beschlossene Sache, es wird zum Angriff geblasen. Darauf folgt die beklemmende Totenstille auf dem Feld nach der Schlacht. Im folgenden „Angry Flames“ vertonte Jenkins einen Text eines Opfers der Hiroshima-Bombe, und das Stück „Torches“ zeigt, dass solch grausame Bilder sich nicht erst in der neueren Geschichte finden lassen. Schon der altindische Dichter Mahabarata erzählte in ähnlichen Bildern von einem Massensterben.

Zurück zum Anfang
Das „Agnus Dei“ aus der christlichen Liturgie bezieht sich auf den Opfertod Christi und schließt mit der Bitte um Frieden. Die wird offenbar erhört – denn der folgende Abschnitt meldet „Now the Guns have stopped“. Der Text thematisiert die Gefühle von Verlust und Schuld eines Überlebenden des Krieges bei seiner Heimkehr. Dem steht musikalisch mit langsamen und bedächtigen Klängen und inhaltlich mit einer Bekräftigung des Glaubens das „Benedictus“ gegenüber. Das letzte Stück „Better is Peace“ führt die Zuhörer schließlich zurück an den Anfang des Werks. Die Feststellung, dass Friede besser ist als ewiger Krieg, wird hier nach einer mittelalterlichen Dichtung zitiert.

(Artikel im Schwarzwälder Bote von Roland Stöß 17.05.2022 – 14:58 Uhr)

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